Gartenwissen - Wasserhaushalt
Wasser im Garten: speichern, verteilen und richtig gießen
Von Oli Meyer
Wasser ist im Garten der Faktor, der sich am schnellsten ändert und am langsamsten verbessern lässt. Eine Trockenperiode ist innerhalb von zehn Tagen ein Problem, ein Boden, der Wasser hält, braucht Jahre. Deshalb behandelt dieses Kapitel beides getrennt: was in der Hitze zu tun ist, und was dafür sorgt, dass die nächste Hitze weniger kostet.
Der Boden ist der erste Speicher
Kein Behälter im Garten fasst so viel wie der Boden selbst. Humus bindet ein Mehrfaches seines Gewichts an Wasser, und eine gewachsene Krümelstruktur nimmt Starkregen auf, statt ihn abfließen zu lassen.
Daraus folgt eine unbequeme Reihenfolge: die wirksamste Bewässerungsmaßnahme ist die Kompostgabe im Frühjahr und die Gründüngung im Herbst. Wer bei Trockenheit anfängt, hat diesen Hebel nicht mehr.
Bedeckung ist der zweite
Offener Boden verliert Wasser über die Oberfläche, und zwar in Größenordnungen, die den Gießaufwand bestimmen. Eine Mulchschicht bremst das, hält die Oberfläche kühl und verhindert die Verschlämmung, die nach dem Austrocknen eine wasserabweisende Kruste hinterlässt.
Wichtig ist die Dicke: eine zu dünne Schicht verschwindet, eine zu dicke hält bei leichtem Regen das Wasser oben und lässt den Boden darunter trocken. Für Gemüse sind wenige Zentimeter aus feinem Material richtig, für Gehölze deutlich mehr aus grobem.
Selten und tief
Der häufigste Gießfehler ist der tägliche kleine Guss. Er befeuchtet die oberen Zentimeter, die Wurzeln richten sich danach aus, und beim ersten übersprungenen Tag steht die Pflanze im Trockenen.
Eine seltene, durchdringende Gabe erzieht das Wurzelwerk nach unten, wo der Boden länger feucht bleibt. Prüfen lässt sich das nur an einer Stelle, nämlich unter der Oberfläche: ein Finger oder eine Kelle zeigt in zwei Sekunden, ob die letzte Gabe angekommen ist.
Dachwasser statt Trinkwasser
Ein normales Hausdach liefert im Jahr eine Wassermenge, die den Gartenbedarf in den meisten Regionen deutlich übersteigt. Das Problem ist nie die Menge, sondern der Zeitpunkt: es regnet, wenn nicht gegossen werden muss.
Damit ist Speichervolumen die einzige relevante Größe. Eine Tonne, die bei jedem Regen überläuft, hat die Trockenperiode nicht verkürzt. Wer Speicher plant, rechnet mit der längsten trockenen Phase der letzten Jahre, nicht mit dem Tagesbedarf.
Wo Wasser hingeht, wenn niemand plant
Auf befestigten Flächen läuft Regen ab, auf verdichteten Flächen steht er, und in Senken sammelt er sich. Diese drei Beobachtungen kosten nichts und entscheiden, wo ein Beet sinnvoll liegt.
Flache Mulden, die Wasser aufnehmen und langsam versickern lassen, ersetzen im Hausgartenmaßstab jede Technik. Sie funktionieren allerdings nur, wenn der Boden darunter aufnahmefähig ist.
Die Kapitel unten gehen zwei Dinge praktisch durch: den Aufbau einer Regenwassernutzung, die eine Trockenphase tatsächlich überbrückt, und die Gießpraxis in einer Hitzewelle.
Beiträge in diesem Kapitel
- 1
Richtig gießen bei Hitze: selten, tief, morgens
Gießen in Hitzeperioden: Menge und Rhythmus, Tageszeit, Kontrolle in der Wurzelzone und Prioritäten, wenn Wasser knapp wird.
- 2
Regenwasser nutzen: Speicher richtig dimensionieren
Regenwasser sammeln und nutzen: Dachfläche berechnen, Speichergröße bestimmen, Überlauf planen und Wasserqualität erhalten.
Häufige Fragen
Wann am Tag sollte gegossen werden?
Am frühen Morgen. Der Boden ist kühl, die Verdunstung gering und die Blätter trocknen im Lauf des Tages ab, was Pilzdruck senkt. Abends gegossen bleibt das Laub über Nacht feucht, was Mehltau und Krautfäule begünstigt.
Wie viel Wasser braucht ein Gemüsebeet?
Selten und viel statt oft und wenig. Als Orientierung genügt eine Gabe, die den Boden zehn bis zwanzig Zentimeter tief durchfeuchtet, dafür nur alle paar Tage. Häufige kleine Gaben halten die Wurzeln oben, wo sie bei der nächsten Hitze zuerst leiden.
Lohnt sich eine Regentonne wirklich?
Ja, aber die Größe entscheidet. Ein Dach liefert bei einem einzigen kräftigen Regen mehr, als eine kleine Tonne fasst, und der Rest läuft ungenutzt ab. Erst ein Speicher, der einen Starkregen aufnimmt, überbrückt eine Trockenperiode.
Ist kaltes Leitungswasser schädlich?
Für den Boden praktisch nicht, für wärmeliebende Kulturen wie Gurken und Tomaten im Wurzelbereich schon spürbar. Ein Zwischenspeicher, der sich auf Umgebungstemperatur erwärmt, löst das ohne Aufwand.
Wie senkt man den Wasserbedarf dauerhaft?
Über drei Dinge: Humus als Speicher, Bedeckung gegen Verdunstung und Beschattung in der Mittagszeit. Alle drei wirken erst über Monate, dafür jedes Jahr stärker. Eine Tropfleitung verteilt Wasser besser, senkt aber den Bedarf nicht.
Was hilft in einer akuten Hitzewelle?
Priorisieren statt gleichmäßig verteilen. Frisch gesetzte Pflanzen, Töpfe und Kulturen im Fruchtansatz brauchen Wasser, etablierte Stauden und Gehölze überstehen eine Woche. Eine Mulchschicht aufzulegen wirkt in der Hitze noch, ein Umgraben nicht.