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Gartenpool

Gartenwissen - Dauerkulturen

Obst und Beeren im Garten: pflanzen, schneiden und ernten

Von Oli Meyer

Apfelzweig mit reifen rotgrünen Früchten, dahinter unscharfes Obstwiesengras

Obst und Beeren sind der Teil des Gartens, in dem Entscheidungen lange halten. Ein Gemüsebeet lässt sich im nächsten Jahr anders bestellen. Ein Baum, der zu dicht am Haus steht oder auf der falschen Unterlage sitzt, bleibt fünfzehn Jahre ein Problem.

Daraus ergibt sich die Reihenfolge dieses Kapitels: Standort und Unterlage sind wichtiger als Sortenwahl, und Sortenwahl ist wichtiger als jede Schnitttechnik.

Die Unterlage entscheidet über die Größe

Gekauft wird eine Sorte, gepflanzt wird eine Kombination. Die Unterlage bestimmt, ob aus demselben Apfel ein zwei Meter hohes Spalier oder ein zehn Meter hoher Hochstamm wird, wie schnell er in den Ertrag kommt und wie gut er mit Trockenheit umgeht.

Schwachwüchsige Unterlagen tragen früh, bleiben klein und brauchen dauerhaft gute Wasserversorgung und oft einen Pfahl. Starkwüchsige brauchen Jahre bis zum Ertrag, werden groß und kommen mit schwierigen Böden besser zurecht. Für kleine Gärten ist die schwache Unterlage richtig, aber sie verzeiht Trockenstress nicht.

Pflanzung: der Fehler passiert in der ersten Stunde

Zwei Dinge entscheiden über das Anwachsen. Die Veredelungsstelle muss über der Erde bleiben, sonst bildet die Sorte eigene Wurzeln und die Unterlage verliert ihre Funktion. Und das Pflanzloch wird breit statt tief: Wurzeln wachsen seitlich, und eine zu tiefe Pflanzung setzt den Baum in einen Topf aus Lockerboden, in dem Wasser steht.

Der Pfahl kommt vor dem Baum ins Loch, nicht danach, und er wird schräg gegen die Hauptwindrichtung gesetzt. Ein Pfahl, der nachträglich eingeschlagen wird, trifft Wurzeln.

Schnitt folgt einem Ziel, nicht einem Termin

Jeder Schnitt lenkt Wachstum. Wer stark zurücknimmt, bekommt starke Triebe. Wer flach stellt, bekommt Blüten. Daraus folgen zwei unterschiedliche Aufgaben, die häufig vermischt werden.

Beim jungen Baum geht es um Aufbau: ein Leittrieb, drei bis vier gut verteilte Leitäste, klare Abstände. Beim tragenden Baum geht es um Licht: Kronenmitte offen halten, steil nach innen wachsende Triebe weg, altes Fruchtholz erneuern.

Der Winterschnitt fördert das Wachstum, der Sommerschnitt bremst es. Bei einem zu stark wachsenden Baum ist der Sommertermin daher der richtige, auch wenn Schneiden im Winter bequemer ist.

Beeren nach Fruchtholz unterscheiden

Beim Beerenschnitt reicht eine einzige Frage: an welchem Holz trägt die Art. Schwarze Johannisbeere und Sommerhimbeere tragen an Trieben des Vorjahres, also wird laufend verjüngt und Altholz entfernt. Rote und weiße Johannisbeeren tragen mehrjährig an Seitentrieben und behalten ihr Gerüst länger.

Herbsthimbeeren sind die einfachste Kultur im Garten: alle Ruten im Winter bodennah abschneiden, fertig. Wer sie wie Sommerhimbeeren behandelt, macht dieselbe Arbeit mehrfach.

Ernte und Lagerung

Bei Steinobst und Beeren ist der Erntezeitpunkt gleich der Genusszeitpunkt. Bei Lageräpfeln und Winterbirnen nicht: dort wird pflückreif geerntet und nachgelagert, und zu früh gepflücktes Obst wird nie gut, zu spät gepflücktes lagert nicht.

Ein kühler, leicht feuchter, dunkler Raum leistet für die Haltbarkeit mehr als jede Sortenwahl. Ein warmer Keller macht aus einer Lagersorte eine Sofortsorte.

Die Kapitel unten führen zwei Arbeiten im Detail aus: den Schnitt am Obstbaum über die Standjahre, und die Pflanzung von Beerensträuchern mit dem Schnitt, der im ersten Jahr dazugehört.

Beiträge in diesem Kapitel

Häufige Fragen

Wann wird ein Obstbaum gepflanzt?

Wurzelnackte Bäume im Herbst nach dem Laubfall oder im Frühjahr vor dem Austrieb, solange der Boden frostfrei ist. Der Herbsttermin ist der bessere: der Baum wurzelt über Winter an und steht im Frühjahr schon in Verbindung mit dem Boden.

Wie stark darf geschnitten werden?

So stark wie das Ziel erfordert, aber nicht als Routine. Ein kräftiger Rückschnitt regt starkes Triebwachstum an, was bei jungen Bäumen gewollt und bei alten meist kontraproduktiv ist. Wer Ertrag will, schneidet mäßig und regelmäßig statt selten und viel.

Was bedeutet die Unterlage?

Die Wurzel, auf die die Sorte gepfropft ist. Sie bestimmt Endgröße, Standfestigkeit, Bodenansprüche und wann der Baum in den Ertrag kommt. Dieselbe Apfelsorte wird auf einer schwachen Unterlage zum Spalier und auf einem Sämling zum Hochstamm.

Warum trägt ein Baum nur jedes zweite Jahr?

Das ist Alternanz: eine sehr hohe Ernte verbraucht die Reserven, die für die Blütenanlage des Folgejahres nötig wären. Gebrochen wird sie durch Ausdünnen der Früchte im überreichen Jahr, nicht durch Düngung.

Wann sind Beerensträucher zu schneiden?

Nach Fruchtart unterschiedlich. Schwarze Johannisbeeren tragen am einjährigen Holz und werden nach der Ernte stark verjüngt, rote am zweijährigen und bleiben länger stehen. Sommerhimbeeren werden nach der Ernte abgeschnitten, Herbsthimbeeren im Winter komplett abgeräumt.

Woran erkennt man den Erntezeitpunkt bei Äpfeln?

Am Lösen des Stiels: hebt sich die Frucht bei leichter Drehung nach oben ab, ist sie pflückreif. Die Kernfarbe ist ein zweiter Hinweis. Pflückreife und Genussreife sind bei Lageräpfeln nicht dasselbe, dazwischen liegen bei manchen Sorten Wochen.