Obst & Beeren - Pflanzung
Beerensträucher pflanzen: Abstand, Boden und der erste Schnitt
Von Oli Meyer
Beerensträucher sind die Dauerkultur mit der kürzesten Anlaufzeit. Ein Obstbaum braucht Jahre, ein Johannisbeerstrauch liefert im zweiten Sommer. Gleichzeitig entscheidet die Pflanzung über die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre, und zwei Fehler wirken so lange nach: zu enge Abstände und ein schattiger Standort.
Standort und Abstand
Beeren wollen Sonne, tolerieren aber Halbschatten besser als Kernobst. Der Ertrag sinkt dort, der Geschmack ebenfalls, doch die Kultur funktioniert. Was sie nicht toleriert, ist stehende Luft in einem zu dichten Bestand.
Der Abstand ist deshalb die wichtigste Zahl. Johannisbeeren und Stachelbeeren brauchen etwa eineinhalb Meter, damit sie ausgewachsen nicht zusammenwachsen. Wer auf einen Meter setzt, hat im vierten Jahr eine Hecke, die nach jedem Regen feucht bleibt, und damit Mehltau.
Himbeeren stehen in der Reihe eng, brauchen dafür zwischen den Reihen Platz, weil sie Ausläufer bilden und der Bestand sonst nicht mehr zu durchqueren ist.
Boden vorbereiten, aber nicht überdüngen
Beeren wurzeln flach und profitieren stärker von Bodenstruktur als von Nährstoffgaben. Die Vorbereitung besteht deshalb im Lockern ohne Wenden, im Entfernen von Wurzelunkraut und in einer moderaten Kompostgabe.
Frischer Mist im Pflanzloch ist ein Fehler: er schädigt die feinen Wurzeln direkt und treibt weiches Wachstum, das anfällig ist. Gedüngt wird ab dem zweiten Jahr, flach und im Frühjahr.
Wurzelunkraut muss vor der Pflanzung weg. Zwischen etablierten Beerensträuchern ist Giersch später kaum noch zu entfernen, ohne die flachen Wurzeln zu beschädigen.
Pflanzen: die Handgriffe
Wurzelnackte Sträucher werden vor dem Pflanzen einige Stunden gewässert. Beschädigte Wurzelenden werden glatt geschnitten, das Pflanzloch wird breit und nur so tief wie nötig angelegt, und die Erde wird zwischen den Wurzeln eingeschlämmt statt festgetreten.
Johannisbeeren dürfen einige Zentimeter tiefer sitzen als sie in der Baumschule standen: das regt Triebe aus dem Boden an, aus denen der Strauch sich später erneuert. Veredelte Formen und Stämmchen bleiben auf ihrer Höhe, sonst verliert die Unterlage ihre Funktion.
Nach der Pflanzung wird gründlich eingewässert und gemulcht.
Der Pflanzschnitt
Bei wurzelnackter Ware ist er nicht optional. Das Wurzelwerk wurde beim Roden reduziert, und ein voll belaubter Trieb kann daraus nicht versorgt werden. Eingekürzt werden die verbleibenden Triebe deutlich, schwache und beschädigte werden ganz entfernt.
Bei Johannisbeeren bleiben vier bis fünf kräftige Triebe stehen. Bei Himbeeren wird die mitgelieferte Rute nach dem Pflanzen bodennah abgeschnitten, weil der Ertrag aus den neuen Ruten kommt und nicht aus der alten.
Das erste Standjahr
Wasser ist der begrenzende Faktor, nicht Nährstoff. Flach wurzelnde Sträucher trocknen in der ersten Saison schnell aus, besonders unter Mulch, der bei leichtem Regen das Wasser abfängt. Kontrolliert wird unter der Mulchschicht, nicht auf ihr.
Fruchtansatz im Pflanzjahr wird bei Johannis- und Stachelbeeren besser entfernt. Der Strauch investiert dann in Wurzeln und Triebe, und die Ernte des dritten Jahres ist deutlich höher als bei einem Strauch, der im ersten Jahr tragen durfte.
Häufige Fragen
Wann werden Beerensträucher gepflanzt?
Wurzelnackte Ware im Herbst nach dem Laubfall, solange der Boden frostfrei ist. Containerware ganzjährig außer bei Frost und in der Sommerhitze. Der Herbsttermin ist überlegen, weil die Wurzeln über Winter anwachsen.
Welchen Abstand brauchen die Sträucher?
Johannisbeeren und Stachelbeeren etwa eineinhalb Meter, Himbeeren in der Reihe deutlich enger bei etwa vierzig Zentimetern, zwischen den Reihen aber weit. Zu enge Pflanzung ist die häufigste Ursache für Mehltau und Pilzdruck.
Wie tief wird gepflanzt?
Johannisbeeren dürfen etwas tiefer als vorher stehen, das fördert neue Bodentriebe. Veredelte Stachelbeeren und Stämmchen bleiben auf Höhe. Himbeeren werden flach gepflanzt, weil ihre Wurzeln oberflächennah laufen.
Ist ein Pflanzschnitt nötig?
Ja, bei wurzelnackter Ware. Die Triebe werden deutlich eingekürzt und schwache ganz entfernt, damit das reduzierte Wurzelwerk nicht zu viel Laub versorgen muss. Ohne Pflanzschnitt treibt der Strauch schwach und kümmert im ersten Jahr.
Wie viel Wasser braucht ein neuer Strauch?
Im ersten Jahr regelmäßig und durchdringend, nicht täglich wenig. Beerensträucher wurzeln flach und reagieren schnell auf Trockenheit. Eine Mulchschicht senkt den Bedarf erheblich und hält den Wurzelbereich kühl.
Wann kommt die erste Ernte?
Johannisbeeren und Stachelbeeren liefern im zweiten Jahr eine kleine, ab dem dritten eine volle Ernte. Herbsthimbeeren tragen häufig bereits im Pflanzjahr, Sommerhimbeeren im Jahr darauf am dann vorhandenen Vorjahrestrieb.