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Gartenpool

Saatgut - Vermehrung

Samenfestes Saatgut selbst gewinnen: Auslese, Aufbereitung, Lagerung

Von Oli Meyer

Eigenes Saatgut ist der Punkt, an dem ein Garten unabhängig wird, und gleichzeitig der, an dem am meisten falsch verstanden wird. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Verfahren der Gewinnung, sondern in der Sorte: aus einer F1-Hybride lässt sich kein brauchbares Saatgut gewinnen, aus einer samenfesten Sorte ohne weiteres.

Samenfest und Hybride

Samenfeste Sorten geben ihre Eigenschaften an die nächste Generation weiter. Nachbau ergibt wieder dieselbe Sorte, mit einer normalen Streuung.

F1-Hybriden entstehen aus der Kreuzung zweier stark ingezüchteter Elternlinien. Die erste Generation ist einheitlich und leistungsstark, die zweite spaltet auf: unterschiedliche Wuchsformen, unterschiedliche Reifezeiten, meist schwächere Pflanzen. Das ist kein Fehler des Gärtners, sondern Genetik.

Für die Praxis heißt das: die Sortenwahl entscheidet über die Möglichkeit der Vermehrung, und sie fällt beim Kauf, nicht bei der Ernte.

Selbstbestäuber sind der Einstieg

Tomate, Bohne, Erbse und Salat bestäuben sich innerhalb der eigenen Blüte, oft bevor sie sich öffnet. Fremdeinkreuzung kommt vor, ist aber selten, und im Hausgarten ohne besondere Maßnahmen zu vernachlässigen.

Damit reicht das einfachste Verfahren: gesunde, typische Pflanzen markieren, Früchte über die Genussreife hinaus vollständig ausreifen lassen, ernten, aufbereiten.

Bei Bohnen und Erbsen bleiben die Hülsen an der Pflanze, bis sie trocken und rasselnd sind. Bei Tomaten wird die vollreife Frucht verwendet, deutlich weicher als für die Küche.

Fremdbestäuber sind ein anderes Vorhaben

Kürbis, Kohl, Möhre, Rote Bete, Zwiebel und Mangold werden von Insekten oder Wind bestäubt und kreuzen über weite Strecken. Im Hausgarten mit Nachbargärten in Sichtweite ist eine sortenreine Vermehrung ohne Maßnahmen nicht möglich.

Machbar wird es mit Abdeckung während der Blüte und Handbestäubung, bei Kürbis mit dem Verschließen weiblicher Blüten am Vorabend und gezieltem Bestäuben am Morgen. Das ist Präzisionsarbeit und nichts für den ersten Versuch.

Dazu kommt die Zweijährigkeit: Kohl, Möhre, Rote Bete und Zwiebel blühen erst im zweiten Jahr, müssen also überwintert werden.

Auslese ist der eigentliche Wert

Wer Saatgut gewinnt, wählt aus, und die Auswahlkriterien bestimmen, was in fünf Jahren im Beet steht. Ausgewählt wird nicht die größte Frucht, sondern die Pflanze, die gesund blieb, zum passenden Zeitpunkt reifte, nicht zu früh schoss und dem Sortenbild entsprach.

Die Auswahl erfolgt an mehreren Pflanzen. Wer immer nur von der einen besten nachbaut, verengt die genetische Basis, und die Folge ist nach einigen Generationen sichtbar: geringere Vitalität, höhere Krankheitsanfälligkeit.

Über Jahre entsteht so eine Population, die zum Standort passt. Das ist der Grund, warum nachgebautes Saatgut derselben Sorte am eigenen Ort oft besser läuft als frisch gekauftes.

Aufbereiten: nass oder trocken

Trockenaufbereitung gilt für Bohne, Erbse, Salat, Kohl und alle Arten, deren Samen in trockenen Hüllen sitzen. Ausgedroschen wird durch Reiben, gereinigt durch Sieben und Auswehen.

Nassaufbereitung gilt für Tomate, Gurke und Kürbis, deren Samen in feuchtem Fruchtfleisch sitzen. Das Fruchtmus wird mit Wasser einige Tage stehen gelassen, bis sich die Gallerthülle löst, dann gewaschen und sofort getrocknet.

Der kritische Schritt ist in beiden Fällen die Trocknung. Getrocknet wird luftig, schattig und bei Raumtemperatur, nie im Ofen und nicht in direkter Sonne. Restfeuchte ist die häufigste Ursache für Schimmel und Keimverlust im Winter.

Lagern und beschriften

Kühl, dunkel, trocken, in Papiertüten oder Gläsern mit Trockenmittel, nicht luftdicht in Plastik, wo Restfeuchte nicht entweichen kann.

Beschriftet wird beim Abfüllen mit Art, Sorte und Erntejahr. Ohne Jahr ist die Haltbarkeit nicht einschätzbar, und die Haltbarkeit unterscheidet sich stark: Zwiebel, Lauch und Pastinake sind kurzlebig, Tomate, Bohne und Kohl halten mehrere Jahre.

Häufige Fragen

Woran erkennt man samenfestes Saatgut?

An der Sortenbezeichnung ohne F1-Kennzeichnung und an der Angabe des Anbieters. F1-Hybriden sind gekennzeichnet, weil die Bezeichnung sortenrechtlich relevant ist. Alte Sorten und Erhaltungssorten sind praktisch immer samenfest.

Warum funktioniert Nachbau von Hybridsaatgut nicht?

Weil eine F1-Hybride aus der Kreuzung zweier Inzuchtlinien entsteht. In der nächsten Generation spaltet sie auf: die Nachkommen sind uneinheitlich, meist schwächer und entsprechen nicht mehr der Ausgangspflanze.

Welche Arten sind für den Anfang geeignet?

Selbstbestäuber: Tomate, Buschbohne, Stangenbohne, Erbse, Salat. Sie bestäuben sich in der eigenen Blüte, kreuzen selten und brauchen keinen Isolierabstand. Ein einzelner Fruchtstand liefert Saatgut für Jahre.

Welchen Abstand brauchen Fremdbestäuber?

Je nach Art mehrere hundert Meter bis über einen Kilometer, was im Hausgarten nicht darstellbar ist. Wer Kürbis, Kohl oder Möhre vermehren will, arbeitet mit Abdeckung und gezielter Handbestäubung.

Wie viele Pflanzen müssen es sein?

Bei Selbstbestäubern genügen wenige, bei Fremdbestäubern sind mehrere Dutzend nötig, um die genetische Breite zu erhalten. Wer von zwei Kohlpflanzen nachbaut, verliert innerhalb weniger Generationen Vitalität.

Wie wird richtig gelagert?

Vollständig getrocknet, kühl, dunkel und in Papier statt luftdicht in Plastik. Beschriftet mit Art, Sorte und Jahr, weil sich die Haltbarkeit ohne Jahresangabe nicht einschätzen lässt.

Lohnt sich ein Keimtest?

Bei älterem Saatgut ja. Zwanzig Korn auf feuchtem Küchenpapier zeigen innerhalb der artspezifischen Keimzeit, was zu erwarten ist. Das verhindert eine Aussaat, die im Beet lückig aufläuft und den Termin kostet.