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Gartenpool

Saatgut - Anzucht

Jungpflanzen vorziehen: kräftige Anzucht statt vergeilter Triebe

Von Oli Meyer

Anzucht auf der Fensterbank scheitert selten am Saatgut und fast immer am Licht. Wärme ist in einer Wohnung reichlich vorhanden, Licht im Februar und März nicht, und genau dieses Verhältnis entscheidet über die Qualität der Jungpflanze.

Eine Pflanze mit zu wenig Licht und zu viel Wärme streckt sich. Sie wird lang, dünn, hellgrün und kippt um. Dieser Zustand ist nicht mehr zu reparieren, und die Pflanze bleibt der schwächere Start.

Später säen ist meist besser

Der stärkste Hebel ist der Termin. Wer vier Wochen später sät, zieht bei deutlich mehr Tageslicht auf und bekommt in der Hälfte der Zeit eine kräftigere Pflanze.

Gerechnet wird rückwärts: vom geplanten Auspflanztermin die Anzuchtdauer abziehen. Tomaten brauchen etwa sechs bis acht Wochen, Kürbis und Gurke drei bis vier, Kohl fünf bis sechs, Sellerie und Lauch deutlich länger.

Der Wunsch nach früher Ernte führt regelmäßig zu Aussaaten im Februar, deren Pflanzen im Mai schlechter dastehen als eine Aussaat vom April.

Kühler stellen, wenn möglich

Nach dem Auflaufen ist ein kühlerer Standort besser als ein warmer. Zehn bis fünfzehn Grad mit viel Licht liefern kompakte Pflanzen. Zwanzig Grad und wenig Licht liefern gestreckte.

Praktisch heißt das: keimen im Warmen, weiterwachsen im Kühlen und Hellen. Ein unbeheiztes, helles Treppenhaus oder ein Frühbeet ist besser als die Wohnzimmerfensterbank über der Heizung.

Substrat nährstoffarm halten

Anzuchterde ist absichtlich mager. Der Keimling zehrt zunächst vom Samen, und ein zu hohes Nährstoffangebot führt zu weichem Wachstum und einem trägen Wurzelsystem, weil die Wurzel nichts suchen muss.

Reifer, gesiebter Kompost ist als Beimischung brauchbar, allein ist er zu nährstoffreich und zu dicht. Gedüngt wird erst nach dem Pikieren, und dann schwach.

Pikieren als Qualitätsschritt

Pikiert wird bei den ersten echten Blättern. Die Pflanze wird an einem Blatt gehalten, nie am Stängel, weil eine Quetschung dort die Leitbahnen zerstört.

Gesetzt wird tiefer als vorher. Bei Tomaten bis knapp unter die Keimblätter, wo sich am eingegrabenen Stängelabschnitt zusätzliche Wurzeln bilden. Das kompensiert einen Teil einer zu weichen Anzucht.

Danach wird angegossen und für einige Tage schattiger gestellt, damit die gestörten Wurzeln nicht gegen volle Verdunstung arbeiten müssen.

Gießen: von unten und mäßig

Anzuchtgefäße werden am besten von unten versorgt, sodass das Substrat sich vollsaugt und die Oberfläche abtrocknet. Das reduziert Pilzbefall am Stängelgrund, der in der Anzucht die häufigste Verlustursache ist.

Dauerhaft nass ist schlechter als leicht wechselfeucht. Ein Substrat, das nie abtrocknet, bekommt Algen und verliert Luft.

Abhärten vor dem Auspflanzen

Eine im Haus gezogene Pflanze hat weiche Blätter ohne Schutzschicht und verbrennt in der ersten vollen Sonne. Über ein bis zwei Wochen wird sie an Außenbedingungen gewöhnt: zuerst wenige Stunden im Schatten, dann länger, dann in die Sonne, nachts zurück ins Geschützte, solange es kalt ist.

Dieser Schritt kostet keine Materialien und wird am häufigsten übersprungen. Eine ungehärtete Pflanze verliert nach dem Setzen zwei bis drei Wochen, also genau die Zeit, die mit einer frühen Aussaat gewonnen werden sollte.

Häufige Fragen

Warum werden vorgezogene Pflanzen lang und dünn?

Weil das Verhältnis von Wärme zu Licht nicht stimmt. Warm und dunkel erzeugt Streckungswachstum. Ein kühlerer, hellerer Standort liefert kürzere, festere Pflanzen, auch wenn sie langsamer wachsen.

Wann ist der richtige Aussaattermin?

Rückwärts gerechnet vom Auspflanztermin, abzüglich der artspezifischen Anzuchtdauer. Zu früh gesät bedeutet Wochen Pflege bei Lichtmangel, und die Pflanzen werden dabei schwächer statt stärker.

Welches Substrat ist geeignet?

Nährstoffarme Anzuchterde. Reifer Kompost allein ist zu nährstoffreich und zu dicht, gewöhnliche Blumenerde meist zu stark gedüngt. Zu viel Nährstoff in der Anzucht erzeugt weiches Gewebe und schlechtes Wurzelwachstum.

Wann wird pikiert?

Sobald die ersten echten Blätter nach den Keimblättern erscheinen. Angefasst wird an einem Blatt, nie am Stängel, und gesetzt wird tiefer als vorher, bei Tomaten bis knapp unter die Keimblätter.

Braucht die Anzucht Zusatzlicht?

Bei früher Aussaat im Februar und März auf einer Fensterbank praktisch ja, sonst ist Lichtmangel unvermeidlich. Wer nicht beleuchten will, sät später und akzeptiert einen späteren Erntebeginn, was in Summe oft das bessere Ergebnis ist.

Was bedeutet Abhärten?

Die Gewöhnung an Außenbedingungen über eine bis zwei Wochen: erst Stunden im Schatten, dann länger, dann Sonne. Ohne Abhärtung erleiden Pflanzen einen Blattschaden, der sie um Wochen zurückwirft.