Gartenwissen - Kalender
Das Gartenjahr: welche Arbeiten wann anstehen
Von Oli Meyer
Ein Gartenkalender ist nützlich und irreführend zugleich. Nützlich, weil die Reihenfolge der Arbeiten stabil ist. Irreführend, weil die Daten es nicht sind: zwischen einer geschützten Lage im Rheintal und einem Hanggarten auf sechshundert Metern liegen mehrere Wochen.
Deshalb ist dieses Kapitel als Reihenfolge geschrieben und nicht als Datumsliste. Wer die Reihenfolge kennt, kann sie am eigenen Standort einmal verschieben und danach jedes Jahr verwenden.
Winter: die einzige ruhige Planungszeit
Von Dezember bis Februar konkurriert Planung nicht mit laufender Arbeit. Das ist der Zeitpunkt für den Anbauplan, für die Prüfung des Saatgutbestands und für die Fruchtfolge des kommenden Jahres.
Draußen fällt Obstbaumschnitt an, sobald es frostfrei ist. Der Boden wird nicht bearbeitet und bleibt bedeckt. Wer im Februar bei nassem Wetter Beete betritt, verdichtet genau die Struktur, die im Mai gebraucht wird.
Frühjahr: alles gleichzeitig
März bis Mai ist die dichteste Phase. Anzucht auf der Fensterbank, erste Direktsaaten der kühletoleranten Arten, Kompostausbringung, Pflanzung von Beerensträuchern, und ab Mitte Mai die wärmeliebenden Kulturen.
Der typische Fehler liegt am Anfang: zu früh gesät. Kalter Boden lässt Bohnen faulen und hält Kürbis stehen, und die zwei gewonnenen Wochen kosten am Ende einen Nachbau.
Frühsommer: Pflege bestimmt den Ertrag
Juni und Juli entscheiden über das Ergebnis, ohne selbst Ernte zu liefern. Beikraut wird jetzt entfernt, solange es klein ist, gemulcht wird, sobald der Boden durchwärmt ist, und gegossen wird selten und tief.
Gleichzeitig beginnt die laufende Ernte bei Zucchini, Bohnen und Pflücksalaten, bei denen die Erntehäufigkeit den Ertrag steuert.
Hochsommer: Ernte und die Lücke danach
August und September bringen die Hauptmenge. Wichtiger als die Ernte selbst ist, was mit der Fläche danach passiert: eine Nachkultur oder eine Gründüngung, solange noch Wärme zum Auflaufen da ist.
Bei Lagergemüse zählt jetzt der Zeitpunkt. Zwiebeln brauchen eine trockene Abreife, Kürbis eine ausgehärtete Schale, Kartoffeln abgestorbenes Kraut. Zu früh geerntetes Lagergemüse hält nicht.
Herbst: die Saison des nächsten Jahres beginnt
Oktober und November sind der wichtigste Bodenmonat. Kompost wird aufgebracht, Gründüngung steht, Laub wird nicht entsorgt sondern verwendet, und Gehölze werden gepflanzt, weil sie über Winter anwurzeln.
Was hier passiert, ist im April sichtbar. Das ist die zentrale Verschiebung gegenüber dem Bauchgefühl, das die Saison im Frühjahr beginnen lässt.
Die Kapitel unten geben den Ablauf als Kalender, der am eigenen Standort verschoben werden kann, ohne die Reihenfolge zu verlieren.
Beiträge in diesem Kapitel
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Gartenkalender: die Arbeiten Monat für Monat
Gartenkalender als Reihenfolge statt Datumsliste: Aussaat, Pflege, Ernte und Bodenarbeit über das Jahr, am Standort verschiebbar.
Häufige Fragen
Welche Termine im Gartenjahr sind wirklich fix?
Die, die an Bodentemperatur oder Frost hängen: Aussaat wärmeliebender Arten nach den späten Frösten, Pflanzung wurzelnackter Gehölze im frostfreien Boden, Gründüngung so früh, dass sie vor dem Winter noch aufläuft. Alles andere hat ein Fenster von Wochen.
Wie stark verschiebt der Standort den Kalender?
Erheblich, um mehrere Wochen zwischen einer geschützten Weinbaulage und einer freien Mittelgebirgslage. Jeder Kalender ist deshalb eine Reihenfolge, nicht eine Datumsliste, und wird am eigenen Standort einmal nachjustiert.
Was ist im Winter zu tun?
Planung, Schnitt an Obstgehölzen bei frostfreiem Wetter, Werkzeugpflege und die Saatgutbestandsaufnahme. Der Boden bleibt bedeckt und wird nicht bearbeitet. Der Winter ist die einzige Zeit, in der Planung nicht mit laufender Arbeit konkurriert.
Wann beginnt die Saison tatsächlich?
Nicht im Frühjahr, sondern im Herbst davor. Was im Oktober an Gründüngung, Kompost und Bedeckung passiert, entscheidet über den Zustand des Bodens im April. Ein Frühjahr kann einen versäumten Herbst nicht ausgleichen.
Wie viele Arbeitsstunden verlangt ein Gemüsegarten?
Ungleich verteilt: Mai und Juni tragen die Hauptlast aus Pflanzung, Jäten und Gießen, Juli bis September dominiert die Ernte, der Winter ist nahezu frei. Wer die Fläche an der Belastung im Mai bemisst und nicht am Jahresmittel, plant realistisch.
Was ist der häufigste Fehler im Jahresverlauf?
Die leere Fläche nach der Sommerernte. Beete, die ab August offen liegen, verlieren Nährstoffe und Struktur über den Winter. Eine Nachkultur oder Gründüngung kostet eine halbe Stunde und erhält den Ertrag des nächsten Jahres.