Permakultur - Einstieg
Permakultur im Garten anfangen: was in der ersten Saison zählt
Von Oli Meyer
Der Einstieg in Permakultur scheitert selten an fehlendem Wissen und häufig an der Reihenfolge. Typisch ist ein Frühjahr, in dem gleichzeitig Hochbeete gebaut, eine Hecke gepflanzt, ein Teich angelegt und ein Kompostsystem eingerichtet werden. Am Jahresende ist alles halb fertig und nichts trägt.
Deshalb geht es in der ersten Saison weniger um Anlagen als um Entscheidungen, die später schwer zu korrigieren sind.
Ein Jahr beobachten, wo es möglich ist
Vier Beobachtungen kosten nichts und bestimmen jede spätere Platzierung: wo die Sonne im Juni und im Oktober steht, aus welcher Richtung der Wind kommt, wo nach Regen Wasser steht oder abläuft, und welche Wege tatsächlich gegangen werden.
Der letzte Punkt wird am häufigsten übersehen. Ein Weg, der geplant, aber nicht benutzt wird, ist kein Weg, und die Trampelspur quer über das neue Beet zeigt, wo er hätte liegen müssen.
Eine Fläche, dafür fertig
Wer beginnt, nimmt eine überschaubare Fläche in der Nähe des Hauses und bringt sie in einen Zustand, der ohne Nachbesserung funktioniert: Wege begehbar, Beetkanten dauerhaft, Boden bedeckt, Wasser erreichbar.
Diese Fläche ist danach der Maßstab. Sie zeigt, wie viel Zeit ein Quadratmeter in der Pflege kostet, und aus dieser Zahl ergibt sich, wie groß der Garten insgesamt werden darf.
Mehrjähriges zuerst pflanzen
Einjährige Beete lassen sich jedes Jahr neu ordnen. Mehrjährige Strukturen brauchen Zeit und sollten deshalb früh gesetzt werden, auch wenn sie im ersten Jahr nichts liefern: Beerensträucher, Obstbäume, Staudenkräuter, Rhabarber, eine Hecke als Windschutz.
Die Reihenfolge ist unbequem, weil die schnelle Belohnung im Gemüsebeet liegt. Aber ein Strauch, der im ersten Jahr gepflanzt wird, trägt im dritten, und einer, der im dritten Jahr gepflanzt wird, trägt im fünften.
Boden bedecken, bevor gedüngt wird
Die Bodenarbeit im ersten Jahr besteht aus zwei Maßnahmen: dauerhafte Bedeckung und Kompostaufbau. Beides wirkt langsam und ist die Grundlage für alles Weitere.
Was nicht nötig ist: Umgraben der ganzen Fläche, Zukauf von Substrat, mineralische Grunddüngung ohne Analyse. Diese Eingriffe kosten Geld und setzen den Bodenaufbau eher zurück.
Wasser einplanen, solange es einfach ist
Regenwassernutzung, Speicherplatz und die Frage, wie weit die Gießkanne getragen wird, lassen sich am Anfang billig lösen und später nur teuer. Ein Speicher an der Falllinie eines Dachs braucht keine Pumpe, ein Speicher am falschen Ende des Gartens schon.
Ebenso gehören flache Mulden und Versickerungsstellen in die frühe Planung, weil sie das Gefälle nutzen, das vorhanden ist.
Die Fehler, die alle machen
Zu dicht pflanzen, weil Vielfalt mit Enge verwechselt wird. Zu viele Baustellen gleichzeitig. Zu wenig Wege, weil Wegefläche als verlorene Anbaufläche erscheint, obwohl ein betretenes Beet mehr kostet. Und zu große Flächen im ersten Jahr, weil der Pflegeaufwand erst im Juni sichtbar wird, wenn die Entscheidung längst gefallen ist.
Häufige Fragen
Womit fängt man konkret an?
Mit Beobachtung und mit einer einzigen Fläche. Wer Sonne, Wind, Wasserlauf und die tatsächlich benutzten Wege ein Jahr lang kennt, plant anders als nach einer Skizze im März. Und eine fertige Fläche bringt mehr als fünf begonnene.
Muss man das ganze Grundstück umplanen?
Nein, und es ist der häufigste Fehler. Die Methode arbeitet mit Anordnung, und Anordnung lässt sich schrittweise verbessern. Ein Umbau in einer Saison bindet die gesamte Arbeitszeit und liefert im ersten Jahr kaum Ertrag.
Was kostet der Einstieg?
Wenig an Material und viel an Aufmerksamkeit. Die teuersten Posten sind mehrjährige Pflanzen und Wegebau. Kompost, Mulchmaterial und Saatgut entstehen mit der Zeit im System selbst.
Braucht es einen Plan auf Papier?
Eine Skizze der Gegebenheiten hilft: Himmelsrichtung, Schatten, Gefälle, Wasser, bestehende Gehölze, Wege. Ein Bepflanzungsplan bis zur Einzelpflanze veraltet dagegen in der ersten Saison.
Wann sieht man Ergebnisse?
Bei den einjährigen Beeten sofort. Bei Boden und Wasserhaushalt nach zwei bis drei Jahren. Bei der mehrjährigen Struktur aus Hecke, Baum und Staude nach drei bis fünf Jahren, und ab dann sinkt der Pflegeaufwand deutlich.
Ist Permakultur immer wilder Wuchs?
Nein. Ordnung und Zugänglichkeit sind funktionale Anforderungen: was nicht erreichbar ist, wird nicht gepflegt und nicht geerntet. Klare Wege und Beetkanten sind mit der Methode vollständig vereinbar.