Zum Inhalt springen
Gartenpool

Nützlinge - Grundlagen

Nützlinge im Garten fördern und Blattläuse ohne Gift zurückdrängen

Von Oli Meyer

Gestochene Tafel: Marienkaefer, Florfliege und Schwebfliege als Einzelpraeparate mit Larvenstadien

Wer Nützlinge im Garten fördern will, arbeitet gegen eine Zeitverzögerung. Räuberische Insekten finden eine Blattlauskolonie erst, wenn sie existiert, und ihre Vermehrung braucht danach zwei bis drei Wochen. In dieser Lücke sieht ein Garten schlimmer aus als er ist, und in dieser Lücke werden die meisten Fehler gemacht.

Die zweite Hälfte der Aufgabe ist dauerhaft: ein Garten, in dem Gegenspieler leben, hat kleinere Befallsspitzen. Diese Arbeit findet nicht im Befallsmoment statt, sondern in der Planung von Bepflanzung und Struktur.

Warum Nützlinge immer später kommen

Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen legen ihre Eier in oder an Blattlauskolonien ab. Ohne Kolonie kein Gelege. Die Larven, die tatsächlich fressen, schlüpfen danach, und erst ihre Fraßleistung bringt die Wende.

Das erklärt zwei Beobachtungen aus dem Gartenalltag. Erstens: ein Befall, der über Nacht massiv wird, ist normal. Zweitens: wer im ersten Drittel dieses Verlaufs behandelt, verschiebt das Problem nach hinten, weil danach kein Gegenspieler mehr da ist und die nächste Zuwanderung ungebremst läuft.

Blattläuse einordnen, bevor gehandelt wird

Nicht jeder Befall ist ein Schaden. Blattläuse an den Triebspitzen einer etablierten Bohne oder eines kräftigen Obstbaums sind Nahrungsangebot und verursachen keinen messbaren Ertragsverlust. Dieselbe Dichte an einer frisch gesetzten Jungpflanze ist ein Problem, weil die Pflanze keine Reserven hat.

Praktisch reicht eine Frage: kann die Pflanze das aushalten. Fällt die Antwort positiv aus, ist Nichthandeln die wirksamere Entscheidung, denn dieser Befall ernährt die Gegenspieler für den Rest der Saison.

Nützlinge fördern über Nahrung

Die erwachsenen Tiere vieler Nützlinge leben von Pollen und Nektar und brauchen offene, flach zugängliche Blüten. Doldenblütler und Korbblütler leisten das: Dill, Fenchel, Koriander, Kümmel, Ringelblume, Schafgarbe, Wilde Möhre, Kornblume.

Entscheidend ist die Lücke, nicht die Artenzahl. Ein Garten, der im Mai und im September blüht und im Juli nichts anbietet, verliert die Population mitten in der Saison. Wer Nützlinge fördern will, prüft daher den Blühkalender auf Unterbrechungen und füllt gezielt.

Dazu gehört, einige Gemüsepflanzen blühen zu lassen. Aufgeschossener Salat, blühende Möhren und Kohlblüten sind hochwertige Nahrungsquellen und keine misslungene Kultur.

Struktur und Überwinterung im Garten

Nahrung allein hält keine Population. Laufkäfer, Spinnen, Ohrwürmer und Marienkäfer überwintern in Hohlräumen, unter Rinde, in Laub, in hohlen Stängeln und in Steinhaufen.

Wer Nützlinge fördern möchte, hat hier drei Maßnahmen mit hoher Wirkung und null Kosten: Stauden über Winter stehen lassen und erst im Frühjahr schneiden, eine Laubschicht in Beeten und unter Hecken liegen lassen, und eine Ecke des Gartens ungemäht führen.

Eine Hecke aus heimischen Gehölzen erfüllt gleich mehrere Funktionen: Windschutz, Blüte, Deckung, Winterquartier.

Vorbeugen statt behandeln

Ein großer Teil des Befallsdrucks ist selbst erzeugt. Stickstoffbetonte Düngung treibt weiches Gewebe, das saugende Insekten bevorzugen. Zu dichte Pflanzung verhindert Abtrocknen und begünstigt Pilze. Monokultur auf demselben Beet baut spezialisierte Schädlinge auf.

Diese Zusammenhänge sind unbequem, weil die Ursache Wochen vor dem Symptom liegt und nicht nach Pflanzenschutz aussieht. Sie sind aber die einzige Ebene, auf der der Befallsdruck sinkt, statt nur verschoben zu werden.

Was bleibt, wenn doch gehandelt werden muss

Mechanisch und punktuell. Abspritzen mit Wasser, Abstreifen, Entfernen einzelner Triebspitzen. Bei Jungpflanzen ein Netz gegen zufliegende Schädlinge, das gleichzeitig die Nützlinge aussperrt und deshalb nur zeitlich begrenzt eingesetzt wird.

Breit wirkende Mittel, auch die als naturnah geltenden, bleiben die letzte Stufe für den Fall, dass eine Kultur tatsächlich verloren geht. Wer sie als erste Stufe verwendet, führt Blattläuse und Nützlinge im Garten dauerhaft in ein Verhältnis, das jede Saison Behandlungen erfordert.

Häufige Fragen

Wie lange braucht die natürliche Regulierung?

Etwa zwei bis drei Wochen von den ersten Kolonien bis zum sichtbaren Rückgang. Nützlinge folgen ihrer Beute zeitlich nach und können nicht vor ihr da sein. Genau in diesem Fenster wird meist gespritzt, was die Gegenspieler mit entfernt.

Welche Nützlinge sind im Garten die wichtigsten?

Gegen Blattläuse Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen und Schlupfwespen, wobei die Larven fressen und die erwachsenen Tiere häufig Pollen und Nektar brauchen. Dazu Laufkäfer und Spinnen am Boden und Vögel während der Brutzeit.

Was ist wichtiger als ein Insektenhotel?

Eine durchgehende Blühfolge von April bis Oktober und ungestörte Überwinterungsplätze. Nisthilfen nützen einigen Wildbienenarten, tragen zur Blattlausregulierung aber wenig bei. Totholz, Steinhaufen und stehengelassene Stauden wirken mehr.

Kann man Nützlinge kaufen?

Für geschlossene Räume wie Gewächshaus und Wintergarten ja, dort sind Ausbringungen wirksam. Im offenen Garten verteilen sich die Tiere und der Effekt verliert sich. Dort wirkt Ansiedlung über Nahrung und Struktur zuverlässiger.

Sind biologische Spritzmittel unbedenklich?

Nein. Auch Präparate auf Öl-, Seifen- oder Pflanzenbasis wirken oft auf alles, was auf dem Blatt sitzt, einschließlich der Nützlingslarven. Sie sind punktuell einsetzbar, aber kein Ersatz für Zurückhaltung.

Was hilft sofort bei starkem Befall?

Ein harter Wasserstrahl, Abstreifen der Kolonien mit den Fingern und das Entfernen stark befallener Triebspitzen. Alle drei wirken am Herd, kosten nichts und schonen die Gegenspieler, die bereits vor Ort sind.

Warum kommen Blattläuse überhaupt in Massen?

Häufig wegen Überdüngung. Stickstoffbetont gedüngte Pflanzen treiben weich und sind für saugende Insekten leichter zu nutzen. Ein Massenbefall ist deshalb oft ein Düngungshinweis und nicht nur ein Schädlingsereignis.