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Gartenpool

Nützlinge - Praxis

Blattläuse bekämpfen ohne Gift: was wirkt und was nur Aufwand ist

Von Oli Meyer

Blattläuse sind der häufigste Anlass für Pflanzenschutz im Hausgarten und der Fall, in dem Nichthandeln am häufigsten die richtige Entscheidung ist. Sie vermehren sich extrem schnell, was Befall dramatisch aussehen lässt, und sie sind gleichzeitig die Nahrungsgrundlage für fast alle räuberischen Insekten im Garten.

Wer ohne Gift arbeitet, hat drei Werkzeuge: mechanisch eingreifen, Ursachen abstellen und die Regulierung nicht behindern.

Zuerst prüfen, ob die Pflanze es trägt

Eine eingewurzelte Rose, ein Obstbaum oder eine kräftige Bohne verkraftet Blattläuse an den Triebspitzen ohne Ertragsverlust. Eine Jungpflanze zwei Wochen nach dem Setzen nicht.

Diese Unterscheidung ersetzt die meisten Behandlungen. Sie ist auch der Grund, warum derselbe Befall in einem Fall ignoriert und im anderen bearbeitet wird, ohne dass das widersprüchlich wäre.

Mechanisch: unspektakulär und wirksam

Ein harter Wasserstrahl entfernt den größten Teil einer Kolonie. Blattläuse sind schlechte Kletterer und finden nur teilweise zurück. Bei empfindlichen Pflanzen wird stattdessen abgestreift, was zwischen zwei Fingern in Sekunden geht.

Stark befallene Triebspitzen werden abgeschnitten. Bei Rosen und Obst ist das ohnehin Pflege, bei Gemüse kostet es wenig.

Wichtig ist die Wiederholung. Ein Durchgang reduziert, drei bis vier Durchgänge im Abstand von zwei bis drei Tagen brechen den Aufbau.

Ameisen sind der unterschätzte Faktor

Ameisen leben vom Honigtau und verteidigen die Kolonien aktiv gegen Marienkäferlarven und Schwebfliegen. Ein Befall, der sich hartnäckig hält, obwohl Nützlinge vorhanden sind, steht häufig unter Ameisenschutz.

Wirksam ist ein Leimring am Stamm bei Gehölzen, das Verlegen von Ameisenstraßen und das Umsiedeln eines Nests im Wurzelbereich. Das ist keine Bekämpfung der Läuse, sondern die Beseitigung ihres Schutzes.

Die Ursache liegt oft in der Düngung

Stickstoffbetont gedüngte Pflanzen bilden weiches, saftreiches Gewebe, das saugende Insekten bevorzugen. Wiederkehrender starker Befall an derselben Stelle ist deshalb häufiger ein Hinweis auf zu viel Dünger als auf Pech.

Dasselbe gilt für Trockenstress und für Standorte mit zu wenig Licht. Eine Pflanze, die dauerhaft unter ihren Möglichkeiten steht, wird regelmäßig befallen, und keine Behandlung ändert daran etwas.

Was nicht funktioniert

Einmalige Behandlungen jeder Art, weil die Vermehrungsrate jede unvollständige Reduktion innerhalb weniger Tage ausgleicht.

Flächige Anwendungen zu Befallsbeginn, weil sie die Larven der Gegenspieler treffen, die sich gerade einstellen.

Und Hausmittel, die als Dünger wirken. Wer eine stickstoffhaltige Jauche gegen Blattläuse spritzt, verbessert die Nahrungsqualität für die Läuse.

Der Verlauf, mit dem zu rechnen ist

Erste Kolonien, dann eine schnelle Zunahme über etwa eine Woche, dann das Erscheinen von Larven der Gegenspieler, dann ein Rückgang innerhalb von einer bis zwei Wochen. Am Ende bleibt ein Restbefall, der die Gegenspieler hält.

Ein Garten ohne Blattläuse ist deshalb kein Ziel. Er wäre ein Garten ohne die Tiere, die sie regulieren, und der nächste Zuflug träfe ihn ungebremst.

Häufige Fragen

Wirkt Seifenlauge?

Ja, aber unspezifisch. Sie zerstört die Wachsschicht der Blattläuse und trifft dabei auch Nützlingslarven auf derselben Blattfläche. Sinnvoll ist sie punktuell an einzelnen stark befallenen Trieben, nicht als flächige Behandlung.

Was haben Ameisen mit Blattläusen zu tun?

Sie melken den Honigtau und verteidigen die Kolonien gegen Nützlinge. Wo Ameisen laufen, ist die natürliche Regulierung ausgebremst. Ein Leimring am Stamm oder das Umsiedeln eines Nests wirkt deshalb indirekt gegen den Befall.

Hilft Brennnesseljauche?

Als Blattdüngung stärkt sie die Pflanze, als Mittel gegen bestehende Kolonien ist die Wirkung schwach. Bei zu hoher Konzentration und Stickstoffwirkung kann sie den Befall verschärfen, weil weiches Gewebe entsteht.

Wie oft muss abgespritzt werden?

Alle zwei bis drei Tage, bis der Befall bricht, meist drei bis vier Durchgänge. Einmaliges Abspritzen reduziert die Zahl, beseitigt die Kolonie aber nicht, weil einzelne Tiere bleiben und sich schnell vermehren.

Warum sind manche Pflanzen jedes Jahr betroffen?

Meist wegen Standort und Ernährung. Stark gedüngte, schattig stehende oder unter Trockenstress leidende Pflanzen sind regelmäßig anfälliger. Wiederkehrender Befall an derselben Pflanze ist ein Hinweis auf die Haltung, nicht auf Zufall.

Muss ein Befall überhaupt behandelt werden?

Nur wenn die Pflanze ihn nicht tragen kann. Junge, frisch gesetzte oder geschwächte Pflanzen brauchen Hilfe. An kräftigen, etablierten Pflanzen ist Abwarten die Maßnahme mit dem besten Ergebnis über die Saison.