Gemüsegarten - Planung
Fruchtfolge im Gemüsegarten planen: Familien statt Arten wechseln
Von Oli Meyer
Fruchtfolge ist im Hausgarten die Maßnahme mit dem besten Verhältnis aus Aufwand und Wirkung, weil sie nichts kostet. Sie verhindert, dass sich bodenbürtige Krankheiten und Schädlinge auf eine Kultur einstellen, und sie verteilt den Nährstoffbedarf über die Jahre.
Sie scheitert im Hausgarten fast immer an derselben Stelle: es wird in Arten gedacht, nicht in Familien.
Die fünf Familien, die zählen
Praktisch genügt eine Einteilung in fünf Gruppen.
Kreuzblütler umfassen alle Kohlarten, Radieschen, Rettich, Rucola, Senf. Nachtschattengewächse umfassen Tomate, Kartoffel, Paprika, Aubergine. Doldenblütler sind Möhre, Sellerie, Petersilie, Fenchel, Dill. Zwiebelgewächse sind Zwiebel, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch. Hülsenfrüchtler sind Bohne, Erbse, Linse und die Kleearten.
Wer diese fünf kennt, sieht die häufigen Fehler sofort: Kohlrabi nach Radieschen ist keine Folge, Tomate nach Kartoffel auch nicht.
Kürbis, Salat und Mangold als Füller
Kürbisgewächse, Gänsefußgewächse wie Mangold, Spinat und Rote Bete sowie Korbblütler wie Salat und Endivie sind im Hausgarten meist unproblematisch. Sie füllen Lücken, ohne die Hauptfolge zu stören.
Das macht sie zum Puffer: wo die Folge sonst nicht aufgeht, kommt eines von diesen ins Beet.
Zehrerstufen legen die Reihenfolge fest
Kompost wird nicht jedes Jahr in jedes Beet gegeben, sondern wandert mit. Nach der Gabe folgen Starkzehrer, im Jahr darauf Mittelzehrer, dann Schwachzehrer, dann wieder Kompost.
Starkzehrer sind Kohl, Kürbis, Tomate, Kartoffel, Sellerie. Mittelzehrer sind Möhre, Rote Bete, Mangold, Spinat, Fenchel. Schwachzehrer sind Zwiebel, Knoblauch, Salat, Kräuter, Erbse, Bohne.
Diese Abfolge ist zugleich ein Familienwechsel, wenn man je Stufe die Familie variiert. Damit erledigen zwei Regeln eine Aufgabe.
Hülsenfrüchtler haben eine Sonderrolle
Bohnen und Erbsen binden über Knöllchenbakterien Stickstoff und hinterlassen ein Beet in besserem Zustand, als sie es vorgefunden haben. Sie sind deshalb ein guter Vorlauf für Starkzehrer und ein guter Abschluss nach einer nährstoffzehrenden Kultur.
Wichtig ist, dass die Wurzeln im Boden bleiben. Wer die Pflanzen samt Wurzel zieht, nimmt den Teil heraus, der den Nutzen trägt.
Gründüngung mitzählen
Der häufigste unbemerkte Fehler steckt in der Zwischenfrucht. Senf und Ölrettich sind Kreuzblütler, also Kohl. Wer nach Kohl Senf als Gründüngung sät und im Folgejahr wieder Kohl pflanzt, hat drei Kohljahre hintereinander und einen aufgebauten Krankheitsdruck.
Alternativen ohne Konflikt sind Phacelia, die zu keiner Gemüsefamilie gehört, sowie Getreidearten und Buchweizen.
Wenn die Fläche zu klein ist
Bei zwei oder drei Beeten ist eine vierjährige Folge nicht darstellbar. Dann gilt eine abgestufte Strategie: die riskanten Familien seltener anbauen, Kohl gegebenenfalls mehrere Jahre aussetzen, zwischen den Kulturen Gründüngung einschieben, und die empfindlichsten Kulturen in Gefäße oder ein Hochbeet mit eigenem Substrat verlagern.
Das ist keine Lösung, sondern eine Verlangsamung des Problems. Und sie funktioniert nur mit Aufzeichnungen, weil ohne sie niemand weiß, wann Kohl das letzte Mal wo stand.
Häufige Fragen
Wie lange muss eine Familie pausieren?
Als Orientierung drei bis vier Jahre. Bei bodenbürtigen Problemen wie Kohlhernie deutlich länger, teils über zehn Jahre. Bei unproblematischen Familien reichen auch zwei Jahre, wenn Kompostversorgung und Bodenleben stimmen.
Was, wenn nur zwei Beete vorhanden sind?
Dann ist eine echte Folge nicht möglich. Ersatzweise hilft, die problematischsten Familien seltener anzubauen, zwischen den Kulturen eine Gründüngung einzuschieben und bei ersten Anzeichen bodenbürtiger Krankheiten die Kultur ganz auszusetzen.
Zählt Gründüngung als Glied der Folge?
Ja, und sie muss mitgezählt werden. Senf und Ölrettich sind Kreuzblütler wie Kohl, Lupine und Klee sind Hülsenfrüchtler wie Bohne. Eine Zwischenfrucht kann die Pause, die sie schaffen soll, damit unbemerkt aufheben.
Wie kombiniert man Fruchtfolge und Zehrerstufen?
Die Zehrerstufen ordnen die Reihenfolge innerhalb eines Beets über die Jahre nach dem Nährstoffangebot, die Familienfolge sorgt für den Wechsel. Beides zusammen ergibt Starkzehrer nach der Kompostgabe, dann Mittel-, dann Schwachzehrer.
Muss die Folge exakt eingehalten werden?
Nein. Sie ist eine Risikominderung, kein Gesetz. Wichtiger als das perfekte Schema ist, die problematischen Familien auseinanderzuhalten und aufzuschreiben, was wo stand.
Wie wird die Folge dokumentiert?
Eine Zeile je Beet und Jahr mit der Hauptfamilie genügt. Ohne Notiz ist die Folge nach zwei Jahren nicht mehr rekonstruierbar, besonders bei Mischkultur mit mehreren Arten im selben Beet.