Boden & Kompost - Grundlagenarbeit
Kompost anlegen und richtig kompostieren: der Haufen im Garten Schritt für Schritt
Von Oli Meyer
Ein Kompost ist der einzige Dünger, der im Garten entsteht, statt gekauft zu werden, und gleichzeitig die Maßnahme, die am häufigsten halb gemacht wird. Wer Kompost anlegen will, braucht dafür kein System aus dem Handel, sondern drei Dinge in der richtigen Balance: Mischung, Feuchte und Luft. Fehlt eines davon, entsteht kein Kompost, sondern entweder ein trockener Haufen, der stehen bleibt, oder eine faulige Masse.
Das Ergebnis wirkt weniger über Nährstoffe als über Struktur. Ein Kompost im Garten verbessert die Krümelung, erhöht die Wasserhaltefähigkeit und bringt Bodenleben in Beete, die jahrelang nur mineralisch gedüngt wurden.
Kompost anlegen: Standort und Grundfläche
Der Platz entscheidet über den Aufwand der nächsten Jahre. Halbschattig ist richtig: in der vollen Sonne trocknet der Haufen aus, im dauerhaften Schatten unter Bäumen bleibt er kalt und die Baumwurzeln wachsen von unten hinein.
Der Untergrund bleibt offen. Ein Kompost auf gewachsenem Boden wird von unten von Regenwürmern und Bodenlebewesen besiedelt, ein Kompost auf Beton oder Folie nicht. Wer Wühlmäuse fürchtet, legt Draht unter, nicht Plastik.
Kurze Wege sind kein Komfort, sondern der Grund, warum ein Haufen benutzt wird. Ein Kompost hinter dem Schuppen erhält im Alltag weniger Material als einer auf dem Weg zwischen Küche und Beet.
Richtig kompostieren: das Verhältnis von grob und fein
Der zentrale Punkt beim Kompostieren ist die Mischung aus zwei Materialklassen. Feines, stickstoffreiches und feuchtes Material liefert die Nahrung: Rasenschnitt, Küchenabfälle, frisches Grün, Kaffeesatz. Grobes, kohlenstoffreiches und trockenes Material liefert die Struktur: Strauchschnitt, Laub, Stroh, Papier, kleine Holzstücke.
Wer nur Feines aufschichtet, bekommt eine dichte, luftlose Masse. Wer nur Grobes aufschichtet, bekommt einen Haufen, in dem über Jahre nichts passiert. Die Praxis ist einfacher als jede Rechenregel: auf jede Lage feuchtes Material kommt eine Lage grobes, und dickere Portionen Rasenschnitt werden gleich beim Aufbringen untergemischt.
Zerkleinern beschleunigt alles, weil es Angriffsfläche schafft. Astmaterial ohne Zerkleinerung ist im nächsten Jahr noch Astmaterial.
Feuchte und Luft: die zwei Fehler, die alles bestimmen
Die richtige Feuchte entspricht einem ausgedrückten Schwamm. Eine Handvoll aus dem Inneren lässt sich zusammenpressen, ohne dass Wasser austritt, und zerfällt beim Öffnen nicht zu Staub.
Zu trocken heißt: die Zersetzung hält an, ohne Schaden. Ein Wässern beim Umsetzen holt das nach. Zu nass heißt: die Luft fehlt, der Haufen wird anaerob, und dann entstehen Gerüche und Stoffe, die Pflanzen schädigen. Dieser Zustand repariert sich nicht von selbst, er muss durch Umsetzen mit grobem Material behoben werden.
Aufsetzen oder laufend füllen
Beides funktioniert, mit unterschiedlichem Ergebnis. Ein Haufen, der auf einmal aus gesammeltem Material aufgesetzt wird, heizt durch, erreicht im Kern Temperaturen, die Unkrautsamen und viele Krankheitserreger abtöten, und ist schneller fertig.
Ein Haufen, der laufend gefüllt wird, heizt nie richtig durch, weil oben immer kaltes Material liegt. Er funktioniert trotzdem, nur langsamer und ohne Hygienisierung. Für den Hausgarten ist das der Normalfall, und die Konsequenz ist praktisch: samentragendes Unkraut und kranke Pflanzenteile gehören dann nicht hinein.
Zwei Behälter lösen den Konflikt: einer wird gefüllt, der andere reift.
Umsetzen: einmal genügt
Umsetzen bringt Luft ein, mischt Randmaterial nach innen und zeigt, was nicht zersetzt wurde. Einmal nach einigen Monaten reicht für ein gutes Ergebnis. Mehrfaches Umsetzen beschleunigt weiter, ist im Hausgarten aber selten den Aufwand wert.
Beim Umsetzen fällt auch die Korrektur an: trockene Zonen wässern, verdichtete Zonen mit grobem Material auflockern, große Holzstücke aussortieren und in den neuen Haufen zurückgeben.
Was nicht hineingehört
Wurzelunkräuter wie Quecke, Giersch und Winde überleben einen kalten Haufen und werden mit dem Kompost im Garten verteilt. Samentragendes Unkraut ebenso. Kranke Pflanzenteile mit dauerhaften Pilzformen, etwa von Kohlhernie, gehören nicht auf einen Haufen, der wieder ins Gemüse geht.
Gekochte Speisereste, Fleisch und Fisch ziehen Ratten an, Katzenstreu und Hundekot bringen Hygieneprobleme mit. Zitrusschalen und Zwiebelschalen sind unkritisch, zersetzen sich aber langsam.
Kompost im Garten ausbringen: dünn und oben
Fertiger Kompost wird flach eingearbeitet oder aufgelegt, nicht tief eingegraben. Die Zersetzung braucht Luft, und in der Tiefe fehlt sie. Zwei bis drei Liter je Quadratmeter auf bestehenden Beeten sind eine sinnvolle Jahresgabe.
Bei Aussaaten ist Vorsicht angebracht: nicht ausgereifter Kompost hemmt die Keimung. Für Anzuchterde ist reifer, gesiebter Kompost geeignet, aber nur gemischt, weil er allein zu nährstoffreich und zu dicht ist.
Wer Kompost anlegen und dauerhaft nutzen will, denkt in Jahren statt in Wochen. Der erste Haufen liefert eine Gabe für wenige Beete, und erst mit laufendem Betrieb entsteht die Menge, die einen Garten tatsächlich versorgt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis Kompost fertig ist?
Bei guter Mischung, ausreichender Menge und einmaligem Umsetzen etwa sechs bis neun Monate. Ohne Umsetzen dauert es ein bis zwei Jahre, das Ergebnis ist aber ebenso brauchbar. Schnellkompostierung in wenigen Wochen setzt eine große Masse und mehrfaches Umsetzen voraus.
Wie groß muss ein Haufen mindestens sein?
Etwa ein Kubikmeter, damit im Inneren Wärme entsteht und gehalten wird. Kleinere Mengen zersetzen sich trotzdem, aber kalt und langsam, und Unkrautsamen sterben dabei nicht ab.
Warum stinkt der Kompost?
Fast immer wegen Luftmangel. Ursache ist zu viel feuchtes, feines Material ohne Struktur, oft Rasenschnitt in dicker Schicht. Der Haufen wird dann anaerob und riecht faulig. Abhilfe ist Umsetzen mit Einmischen von grobem Material.
Muss ein Kompost abgedeckt werden?
In Regionen mit hohen Niederschlägen ja, weil ein durchnässter Haufen die Luft verliert und Nährstoffe ausgewaschen werden. Abgedeckt wird luftdurchlässig, nicht mit Folie. Bei Trockenheit ist die Abdeckung umgekehrt der Schutz gegen Austrocknen.
Gehören Eierschalen und Kaffeefilter auf den Kompost?
Ja, beide. Eierschalen zerkleinert, weil sie sonst als Bruchstücke im fertigen Material bleiben. Kaffeefilter samt Satz sind gutes Material, wobei der Satz allein zu feucht und zu dicht ist und Struktur braucht.
Woran erkennt man fertigen Kompost?
Er riecht nach Waldboden, ist dunkel und krümelig, und die Ausgangsmaterialien sind nicht mehr erkennbar, abgesehen von Holzstücken. Ein Kressetest zeigt Reifegrad zuverlässig: keimt Kresse normal, ist das Material pflanzenverträglich.
Kann man im Winter kompostieren?
Sammeln ja, Zersetzung praktisch nein. Der Haufen ruht bei Kälte und läuft im Frühjahr wieder an. Wer im Herbst einen großen Haufen aufsetzt, nutzt die Restwärme länger als bei laufender Zugabe kleiner Mengen.
Wie unterscheidet sich Kompost von Mist?
Kompost wirkt vor allem auf Struktur und Bodenleben und liefert Nährstoffe langsam. Mist ist stickstoffbetont und wirkt schneller. Für den laufenden Bodenaufbau ist Kompost das Mittel, für einen gezielten Nährstoffschub kompostierter Mist.