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Fall des Monats September 2000

Lungenentzündungen mit Verlusten
Jens Jungbloot, Bahnhofstr. 69, 25767 Tellingstedt 

Vorbericht
Bei dem vorliegenden Fall meldete ein Landwirt erhöhte Verluste in einem seiner beiden Mastställe, der ca. 3 Kilometer von den übrigen Ställen (Sauen, Ferkel und Mast) des Bestandes entfernt liegt. 

Auf der Hofstelle befindet sich der Zuchtstall, dann eine isolierte Ferkelaufzucht und der andere Maststall. Diese drei Komplexe liegen jeweils mehrere hundert Meter auseinander. Der Bestand war PRRS positiv, die Sauen geimpft und ohne klinische Symptome. Der allgemeine Gesundheitsstatus der Tiere war über einen langen Zeitraum als gut zu bezeichnen.

 

Untersuchung
Bei dem sofort stattfindenden Bestandsbesuch waren in den drei Ställen auf dem Hof keine klinischen Auffälligkeiten feststellbar. Im außerhalb gelegenen Maststall wurde bei fast allen Tieren hohes Fieber (bis 42°C), Appetitlosigkeit und Teilnahmslosigkeit festgestellt. Ein Teil der Schweine zeigte Blaufärbung der Ohren und Bäuche. 

Am auffälligsten aber war die sehr schnelle und schwere Atmung (Bauchatmung) der Tiere. Bis zu diesem Zeitpunkt waren schon zwölf Schweine verendet. Es waren vier von zwölf Abteilen betroffen (Kammstall). 

 

Diagnose
Im ersten Moment erinnerte das Geschehen an einen akuten Ausbruch von Influenza. Dagegen sprachen jedoch die Todesfälle. Die Verdachtsdiagnose lautete APP, also Lungenentzündungen durch Actinobacillus pleuropneumoniae (früher Hämophilus pleuropneumoniae). 

Um diesen Verdacht zu bestätigen wurde sofort ein Tier zur Sektion gebracht. Der Befund bestätigte den Verdacht: 

Sektionsbefund
Lunge: hochgradige, fibrinös-nekrotisierende Pleuropneumonie;
übrige Organe: ohne besonderen Befund

bakteriologischer Befund
Lunge: Actinobacillus Pleuropneumoniae (++)

parasitologischer Befund
Parasitenformen nicht nachgewiesen

virologischer Befund
Darm: Nachweis von EVD-Virus (= epizootische Virusdiarrhoe durch Coronaviren)
TGE- (=Transmissible Gastroenteritis), Rota-, Influenza- und PRRS-Virus nicht nachgewiesen

 

Beurteilung und Diagnose
Pleuropneumonie infolge Infektion mit Actinobacillus pleuropneumoniae.


Weiterer Verlauf
Mittlerweile sprang das Geschehen auch auf die übrigen Abteile über. Die Schnelligkeit mit der sich die Krankheit ausbreitete glich einem seuchenhaften Verlauf. Deshalb wurden alle schlachtreifen Tiere der Schlachtung zugeführt. Bei dieser Gelegenheit wurde noch ein Lungenchek bei den Tieren am Schlachtband durchgeführt. Alle Tiere wiesen schwerste Lungenveränderungen einschließlich Blutungen im Lungengewebe und Verklebungen mit dem Brustfell auf. (Natürlich wurden die betroffenen Schlachtkörper aus der Lebensmittelkette entfernt.)

 

Therapie
Als Sofortmaßnahme wurden alle schwer erkrankten Tiere per Injektion mit Terramycin (Oxytetracyclinhydrochlorid, 1ml/10 kg KGW) und Novalgin (Metamizol-Natrium) behandelt. Nach der Initialbehandlung erfolgte die Medizinierung über die Flüssigfütterung mit Chlortetracyclin HCL (1000 ppm). Dabei wurde an den ersten Tagen die Futterbrühe sehr dünnflüssig angesetzt, da die Futteraufnahme deutlich reduziert war.

Die akuten Symptome ließen nach und es traten keine Todesfälle mehr auf. Nach vierzehn Tagen wurde die Medizinierung abgesetzt. Nach etwa sechs Wochen kam es erneut zu den beschriebenen Symptomen. Daraufhin wurde eine nochmalige Medizinierung über vierzehn Tage mit Chlortetracyclin HCL durchgeführt. 

Als begleitende Maßnahme wurde sofort nach Stellung der Verdachtsdiagnose für den kranken Bestand eine gesonderte Arbeitskraft eingesetzt. Dadurch konnte eine Übertragung auf die anderen Ställe vermieden werden.


Weiteres Vorgehen
Da mit der Medizinierung keine Elimination des Erregers zu erreichen ist, stellte sich die Frage nach der dem weiteren Vorgehen. Zwei Möglichkeiten wurden diskutiert: 

1. 1.die Impfung der neuen Läufer gegen APP,
2. Repopulierung des Bestandes, das heißt: Räumung und Neubelegung des Stalles.

Aus wirtschaftlichen Gründen ist bei einem Maststall die zweite Variante vorzuziehen.

In diesem Fall wurde der Stall komplett geräumt. Die jüngeren Tiere wurden in einen angepachteten Stall umgesetzt und ausgemästet. Der leere Stall wurde gereinigt und durch Ausnebeln desinfiziert, die Gülle wurde entfernt. Danach blieb er noch vier Wochen leer stehen, bevor die neuen Tiere eingestallt wurden. Bis heute ist kein neuer APP-Fall aufgetreten.


Diskussion
Wie die Ansteckung stattgefunden hat kann nur vermutet werden. Tierverkehr ist eigentlich sicher auszuschließen da nur eigene Ferkel eingestallt wurden. Der Personenverkehr war in diesem Stall auf eigene Arbeitskräfte reduziert, die auch die anderen Ställe betreuten. Vermutlich ist der Erreger durch die Luft übertragen worden. Es befindet sich eine Schweinehaltung etwa einen Kilometer östlich von der Anlage. Über den Gesundheitszustand dieser Schweine war leider nichts zu erfahren.

Die Erkrankung hat trotz des schnellen Eingreifens zu deutlichen Einbußen in der Mastleistung der betroffenen Tiere geführt. Hier der Vergleich zwischen den beiden Mastställen in dem Wirtschaftsjahr:



  Maststall am Hof Maststall mit APP
Verluste 1,32% 3,07%
Futterkosten 0,89 DM/kg Zuwachs 0,93 DM/kg Zuwachs
Mastdauer 99 Tage 106 Tage
tägliche Zunahmen 811 g 764 g
Tierarztkosten 0,25 DM/Tier 1,20 DM/Tier
 

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