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Fall des Monats Juni 2005

Nicht therapierbare Durchfälle
Tierärztin Ursela Driemel, Puschkinstr. 42, 14806 Belzig 

Der Bestand
In zwei Betrieben traten im März 2005 nicht therapierbare Durchfälle auf. Der Verlauf der Klinik war in den beiden Betrieben unterschiedlich. Die Ursachen waren jedoch gleich. 


Betrieb A
Beginn:
Beginn der Erkrankung war auf dem Flatdeck. Etwa 80 % der Ferkel hatten ohne Allgemeinstörungen wässrigen, dunkelgrünen bis gelbbraunen Durchfall. 

Bei den restlichen Ferkeln trat der Durchfall mit Fressverweigerung und häufigerem Liegen auf, dies hielt für wenige Tage an. Bei allen Tieren war der Kotabsatz im Strahl.

Diagnostik: Es wurden Kotproben zur bakteriologischen und parasitologischen Untersuchung entnommen. Es wurden nur unspezifische E.coli nachgewiesen. Eine Testbehandlung mit Enteroxid brachte keine Veränderung.

5. Tag: Einige Tage später trat die Durchfallerkrankung auch bei den Sauen und Saugferkeln auf. Akut erkrankte ferkelführende Sauen bekamen Milchmangel. Der Ferkelverlust lag im Normalbereich. Ferkel, die den Durchfall in der Abferkelung überstanden haben, erkrankten auf dem Flatdeck nicht mehr.

Diagnostik: In den entnommenen Saugferkelkotproben wurden Clostridien und Rotaviren nachgewiesen.

3. Woche: 3 Wochen nach der Ersterkrankung hatten noch etwa 30% der Sauen und 50% der Flatdeckferkel den wässrigen Durchfall. 

Neu eingestallte Jungsauen bekamen ebenfalls Durchfall, allerdings eher breiig, wie bei einer PIA-Erkrankung.

Diagnostik: In erneuten Kotuntersuchungen wurden Brachyspira spp., coliforme vergrünende Streptokokken und aerobe Sporenbildner nachgewiesen. Parasitologisch, virologisch war alles negativ.

6. Woche: 6 Wochen nach Ausbruch der Erkrankung war keine Klinik mehr feststellbar. 

Diagnostik: 5 Sauenblutproben wurden auf Antikörper von Coronaviren, TGE-Viren und Enteroviren untersucht. 1 Probe war Corona-positiv. Derzeit führt kein Labor in Deutschland diese Untersuchung durch.
 


Betrieb B
Beginn: Im 2. Betrieb erkrankten zuerst die Sauen. Es waren nur 20% 

der Herde betroffen. Die Sauen zeigten Fressverweigerung und Apathie. Der Durchfall trat verzögert auf, war wässrig, stinkend, grün. Zwei Tage später erkrankten auch die Ferkel in der Abferkelung zu 100%. Der Durchfall bei den Ferkeln hatte die gleiche Qualität. 50% der Ferkel verendeten.

Diagnostik: Im Ferkelkot wurden mittels Elektronenmikroskopie Clostridien und Coronavirus-verdächtige Partikel nachgewiesen. 6 Wochen nach Krankheitsausbruch wurde 1 Blutprobe von 5 auf Corona-Anti-Körper positiv getestet.
 

Diskussion und Bewertung
Nur ein Erreger führt zum Durchfall mit dieser dramatischen Klinik: das Coronavirus. Beim Schwein sind zwei Spezies von Coronaviren mit epizootischen Verlaufsformen bekannt. Dies sind die TGE (Transmissible Gastroenteritis) und die EVD (Epizootische Virus-Diarrhoe). Beide Erkrankungen sind klinisch nicht zu unterscheiden und gekennzeichnet durch profuse Durchfälle. Diese entstehen, da die Erreger das Zottenepithel des Dünndarmes zerstören.
Alle Altersgruppen im Schweinebestand können betroffen sein.
Durch die Dramatik der Klinik und der schnellen Durchseuchung durch den gesamten Bestand kommt man schnell zum Verdacht einer virusbedingten Durchfallerkrankung.
Der Verdacht lässt sich diagnostisch absichern über:

  1. Unmittelbar nach dem Beginn der Erkrankung der Nachweis von Corona-viren im Kot mittels Elekronenmikoskopie (keine Unterscheidung zwischen TGE und EVD möglich).
  2. Virusnachweis mittels Immunfluoreszenz in der Darmschleimhaut.
  3. Antikörpernachweis im Blut mittels eines Blocking-ELISA
Früher waren die EVD und TGE verlustreiche Erkrankungen. Diesen Schrecken besitzen sie heute nicht mehr. Die meisten Bestände sind mittlerweile immun. Neuausbrüche sind von kurzer Dauer und klingen rasch wieder ab. Allerdings bestehen zwischen TGE und EVD keine Kreuzimmunitäten. Es gibt keine Behandlungsmöglichkeiten. Alle Maßnahmen reduzieren sich auf die Förderung einer schnellen Durchseuchung und eines ausreichenden Angebotes von Tränkwasser.
 

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