Gartenwissen - Hof
Hof und Tiere: welche Rolle Tiere im Gartenkreislauf spielen
Von Oli Meyer
Tiere sind der Teil eines Hof- oder Gartensystems, der am meisten liefert und am wenigsten verzeiht. Ein Beet wartet, ein Tier nicht. Deshalb ist die Entscheidung für Tierhaltung weniger eine Frage des Nutzens als eine der Verfügbarkeit: es gibt keine Woche ohne Betreuung.
Wo diese Bedingung erfüllt ist, schließen Tiere Kreisläufe, die pflanzlich offen bleiben. Sie verwerten, was im Garten nicht verwertbar ist, und geben Nährstoffe in einer Form zurück, die schneller verfügbar ist als Kompost.
Was Tiere im Kreislauf leisten
Der offensichtliche Beitrag ist Dung. Der weniger offensichtliche ist Verwertung: Fallobst, Ernterückstände, Küchenabfälle und aufgeschossenes Gemüse werden zu Futter statt zu Kompostmasse.
Der dritte Beitrag ist Arbeit. Hühner auf einer abgeernteten Fläche fressen Samen und Insektenlarven und lockern die Oberfläche. Auf einer bepflanzten Fläche machen sie dasselbe, was dann Schaden heißt, weshalb die Einzäunung nicht der Nebenpunkt ist.
Mist ist nicht sofort Dünger
Frischer Mist enthält Stickstoff in einer Form, die Wurzeln schädigt, und er bringt Keimfähiges mit. Kompostiert verliert er die Schärfe und wird zu einem der besten verfügbaren Dünger für Starkzehrer.
Die Menge wird dabei regelmäßig überschätzt. Ein kleiner Hühnerbestand liefert genug für mehrere Beete, und wer den Anfall vollständig auf eine kleine Gartenfläche gibt, überversorgt sie, besonders mit Phosphat, das im Boden bleibt.
Wo Futter herkommt, kommt Nährstoff herein
Ein Garten, der Tiere hält und deren Futter zukauft, ist kein geschlossener Kreislauf, sondern ein Nährstoffimport mit einem Tier als Zwischenstufe. Das ist normal und praktisch unvermeidlich.
Wichtig ist nur, es in der Bilanz zu führen. Wer zukauft, füttert und den Mist ausbringt, düngt seinen Garten über den Futtersack, und die Kompostgabe kommt oben drauf.
Tiergesundheit verlangt eine andere Reihenfolge
Im Gemüsebau ist Beobachtung eine Optimierung. In der Tierhaltung ist sie der Kern. Die meisten Verläufe kündigen sich an, über Futteraufnahme, Verhalten, Kot, Atmung, und wer diese Reihe täglich sieht, bemerkt Abweichungen, bevor sie zum Fall werden.
Die zweite Regel ist der frühe fachliche Rat. Bei Beständen jeder Größe ist die tierärztliche Einschätzung der schnellste Weg zu einer Diagnose, und Selbstbehandlung ohne Diagnose ist bei Tieren teurer als bei Pflanzen.
Ein ausgearbeitetes Beispiel dafür, wie eine Erkrankung im Bestand erkannt, abgegrenzt und eingeordnet wird, steht im Kapitel unten. Es behandelt eine Darmerkrankung beim Schwein und ist als Fallbeschreibung lesbar, auch für andere Tierarten: die Reihenfolge aus Beobachtung, Probenwahl, Abgrenzung und Bewertung der eigenen Zahlen ist überall dieselbe.
Beiträge in diesem Kapitel
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Ileitis beim Schwein: Symptome, Diagnose und Behandlung
Ileitis beim Schwein: Verlaufsformen von subklinisch bis hämorrhagisch, Probenwahl, Behandlung und Impfung gegen Lawsonia intracellularis.
Häufige Fragen
Welche Tiere passen in einen Hausgarten?
Hühner in kleiner Zahl und Bienen sind die beiden, die auf Gartenfläche realistisch bleiben. Beide brauchen dauerhafte Betreuung, auch im Urlaub. Weidetiere setzen eine Fläche voraus, die ein Hausgarten nicht liefert.
Was bringen Hühner dem Garten tatsächlich?
Stickstoffreichen Mist, die Verwertung von Küchen- und Gartenresten und die Bearbeitung abgeernteter Flächen. Der Mist ist allerdings zu scharf für die direkte Gabe und muss kompostiert werden, sonst verbrennt er Wurzeln.
Wo endet der geschlossene Kreislauf?
Beim Futter. Ein Garten, der Tiere hält, deckt deren Futterbedarf in der Regel nicht selbst, und damit kommt Nährstoff von außen ins System. Das ist kein Fehler, es muss nur in der Düngeplanung auftauchen, sonst wird überversorgt.
Ist Mist besser als Kompost?
Anders, nicht besser. Mist wirkt schneller und stickstoffbetonter, Kompost wirkt auf Struktur und Bodenleben. Frischer Mist gehört nicht ans Gemüse, kompostierter Mist ist ein sehr guter Dünger für Starkzehrer.
Was ist bei der Tiergesundheit anders als beim Gemüse?
Der Zeitdruck. Eine Pflanze, die zwei Tage steht, ist meist zu retten, ein Tier häufig nicht. Deshalb liegt bei der Tierhaltung die Betonung auf Vorbeugung, Beobachtung und der Bereitschaft, früh fachlichen Rat zu holen.
Braucht Tierhaltung eine Anmeldung?
In der Regel ja, auch bei kleinen Beständen, und die Anforderungen unterscheiden sich je nach Tierart und Bundesland. Vor der Anschaffung ist das zu klären, nicht danach, weil Auflagen den Platzbedarf verändern können.